Dieser „Zwoachter“ ist seit seiner Auslieferung ein fester Bestandteil der Familie Gsellmann.
Heute möchte ich mich und die Geschichte meines ganz besonderen Fahrzeugs vorstellen. Eines Capri, der nicht nur ein Oldtimer, sondern ein fester Bestandteil unseres Familienlebens geworden ist.
Mein Name ist Sven Gsellmann, ich wohne in einem kleinen Ort unweit des Hockenheimrings. Dass ich heute stolzer Besitzer eines Capri bin, ist kein Zufall - man könnte sagen, es wurde mir in die Wiege gelegt. Denn der Capri war in unserer Familie von Anfang an mehr als nur ein Auto. Er war treuer Begleiter, Alltagsheld und Traumwagen zugleich.
Mein Vater war ein echter Capri-Enthusiast. Über die Jahre hinweg fuhr er sämtliche Modellreihen - mit jedem neuen Capri wuchs dabei auch die Begeisterung und, wie es schien, das Fahrzeug selbst.
Der Höhepunkt dieser Leidenschaft war schließlich im Jahr 1981 erreicht, als er sich einen brandneuen III-er 2.8 Injection bestellte. Dieses Modell war zu jener Zeit gerade frisch auf dem Markt und mein Vater gehörte zu den ersten Besitzern im Rhein-Neckar-Kreis.
Ausgeliefert wurde der Wagen kurz vor Ostern 1981 zum damaligen Ford-Haupthändler in Hockenheim - jener Werkstatt, in der ich zu dieser Zeit gerade ein Praktikum als Kfz-Mechaniker absolvierte.
Und so schließt sich der Kreis: meine allererste Aufgabe im Rahmen des dortigen Praktikums war die Abnahme-Inspektion - ausgerechnet an diesem Capri, dem Familienauto.
Abnahme-Inspektion durchgeführt
Ich erinnere mich noch gut. Die Neuwagen waren damals mit einer dicken Wachsschicht überzogen, die mühsam entfernt werden musste. Anschließend durfte ich das Fahrzeug für die Auslieferung vorbereiten. Eine Ehre, die mir nicht nur einen tiefen Einblick, sondern auch eine emotionale Bindung zu unserem „Zwoachter“ bescherte.
Einige Jahre später musste der Capri jedoch weichen. Ein Hausbau in Österreich erforderte einen praktischeren Wagen und so zog ein Transit in unsere Einfahrt. Der Capri hingegen verschwand in einer Garage, wo er für viele Jahre im Dornröschenschlaf verweilen sollte. Geplant war stets, ihn eines Tages mit einem H-Kennzeichen wieder auf die Straße zu bringen. Doch die Anforderungen dafür wurden im Laufe der Zeit immer strenger, und schließlich kam auch noch die fehlende Gesundheit dazwischen. Mein Vater wurde schwer krank, womit das gemeinsame Projekt in weite Ferne rückte.
Im Jahr 2018 verstarb mein Vater und ich erbte den Wagen, samt all der Erinnerungen und Träume, die daran hingen. Für mich war sofort klar: Jetzt ist die Zeit gekommen, ihn wieder zum Leben zu erwecken.
Mit viel Herzblut und der fachkundigen Unterstützung einer spezialisierten Werkstatt wurde der 2.8i Schritt für Schritt wieder aufgeweckt. Und 2021 war es dann so weit. Nach rund 30 Jahren im Dornröschenschlaf rollte der Capri aus der Garage. Der Motor lief, die Hauptuntersuchung war gemacht, das H-Kennzeichen prangte stolz am Heck - und auf dem Tacho standen gerade einmal 78.000 Kilometer. Ein echter Zeitzeuge!
Ein ganz besonderer Moment war das darauffolgende Jahr. 2022 erfüllte ich meinem Vater posthum seinen letzten Wunsch: die Teilnahme am Capri-Treffen in Speyer. Es war bewegend und schön, den Wagen dort zu zeigen und mit anderen Liebhabern ins Gespräch zu kommen. Seitdem bin ich regelmäßig bei Treffen und Ausfahrten historischer Fahrzeuge in der Region dabei. Der Capri ist wieder auf der Straße. Genau da, wo er hingehört.
Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre Freude an diesem besonderen Fahrzeug haben werde. Für mich ist er mehr als ein Auto - er ist ein Stück Familiengeschichte auf vier Rädern.
[Text & Fotos: Sven Gsellmann]








